Pixel Piracy Review – 2D Indie Piraten Simulator

Gaming PC Reviews
7

Good

Wer wollte nicht schon immer mal Pirat sein? Ausser Ninjas vielleicht.

Mit Pixel Piracy werden Piratenträume wahr. Eigenes Schiff, eigene Crew und ein Papagei für die Schulter findet sich bestimmt auch noch.

Pixel Piracy befindet sich zur Zeit dieses Beitrages in Version 1.06 und erfährt derzeit noch regelmäßige Updates. Es fühlt sich wie ein Early-Access Game an, obwohl es als vollwertiges Spiel verkauft wird, da es noch viele nervige Bugs beheimatet und auch an vielen Ecken unausgereift wirkt. Aber näheres dazu später.

Das Gameplay ist einfach nur witzig und für RPG Fans die ein wenig Strategie mögen auf jeden Fall ein guter Treffer. Das 2D-Spielfeld ist gut umgesetzt und wirkt nicht einschränkend auf das Gameplay.

Pixel Piracy ist ein Indie RPG-Simulator mit Strategie- und Aufbauelementen entwickelt von Vitali Kirpu und Alexander Poysky und gepublished von den Machern von Terraria Re-Logic und einem etwas unbekannterem Publisher Namens Quadro Delta.

Gameplay des Sandbox open world Pirate simulator

Die Entwickler betiteln das Spiel mit Open World was ich so nicht ganz unterzeichnen kann. Pixel Piracy hat definitv ein Spielfeld auf dem man sich frei bewegen kann, bringt aber durch Ladezeiten zwischen den einzelnen Punkten auf der Karte und den Einschränkungen in der Bewegung ausserhalb der Karte doch nicht so wirkliches Open-World-Feeling rüber.

Pixel Piracy kleines Boot

Die Ladezeiten sind zugegeben kurz, aber dennoch merkt man definitiv, dass es sich hierbei um fest abgegrenzte Zonen handelt aus denen man ohne Menübedienung nicht heraus kommt. Auch das Schiff bewegt sich ausschließlich auf die markierte Stelle auf der Karte zu ohne jegliche Bewegungsfreiheit während der Reise.

pixel piracy erstes boot

Unser erstes Boot

Der einsame Kapitän mit seinem… Paddelboot

Nachdem man sich für eine Hintergrundgeschichte für die Welt entschieden hat, landet man auf einer friedlichen Insel mit einem Dorf inklusive einiger Geschäfte die man besuchen kann und einer Taverne voll mit abenteuerlustigen Freibeutern. Mit dem Startkapital lässt sich nicht viel anfangen ausser ein wenig Rum einzulagern und mit unserem kleinen Boot abzulegen und nach Beute zu suchen.

Auf der Weltkarte sehen wir nun die ansteuerbaren Ziele in unmittelbarer Nähe. Einzelne Piraten die ebenfalls mit ihrem Boot unterwegs sind, sind unser erstes Ziel. Diese geben auch in einem Kampf nicht viel her und nach einem kurzen Gefecht kann man das gegnerische Boot versenken und etwas Gold einpacken.

Nach ein paar weiteren Piratenbooten und einem Ureinwohner auf einer Insel, der uns nicht gut leiden kann, haben wir genug Gold in der Tasche um zum Startdorf zurück zu kehren.

Shoppingmeile und andere Touristenattraktionen

Mit unserem schwer verdienten haha! Gold machen wir uns zuerst zum Lebensmittel-Shop der uns ein paar Melonen und weiteren Rum verkauft, man kann ja nicht nur von Luft und Meuterei leben. In der Taverne heuern wir unser erstes Besatzungsmitglied an und nehmen auch gleich noch ein paar schlaue Bücher mit, denn Piraten lesen gerne. Es sind bestimmt Bilderbücher.

Ausserdem können wir in bestimmten Läden gefundene Beute verkaufen, Schiffsteile an- und verkaufen, unseren Piraten neue Waffen geben oder Werkzeuge wie Angeln, Schaufeln und Co. und wir können manchmal sogar Kopfgeld-Steckbriefe für gesuchte Verbrecher finden und diese im Zuge einer Quest zur Strecke bringen.

Pixel Piracy lehrbücher shop

Lehrbücher Shop

XP, Level, Skills und Equip

Zu einem guten RPG gehören Möglichkeiten zur Charakteranpassung, und daran mangelt es hier keineswegs. TP geben uns die Möglichkeit, entweder Stat-Punkte zu verteilen oder neue Skills zu lernen.

Die verfügbaren Lehrbücher für unsere Piraten sind extrem vielfältig und bisher habe ich keine entdeckt, die ich von vornherein als unsinnig ansehen würde. Jede einzelne Fähigkeit hat ihre Daseinsberechtigung und Einfluss auf das Spiel. Auch wenn einige nicht gut erklärt sind oder zusätzliche Ausrüstung benötigen bevor diese eingesetzt werden können.

Wir können unsere Piraten, und zwar jedem einzelnen, mit Passiv-Equip, Nahkampf- und Fernkampfwaffen ausstatten und diesen Gegenständen zum Sofortgebrauch geben. Dazu kommt, dass jeder Pirat den man anheuert eine eigene Hintergrundgeschichte hat sowie Merkmale mitbringen kann, die seinen Charakter beeinflussen. So gibt es zum Beispiel Piraten, die von Grund auf mehr zu Essen brauchen, oder flinker im Kampf sind.

Fernkampfwaffen müssen nur ein einziges mal ausgerüstet werden und haben dann endlos Munition. Sehr gut gelungen ist der Einsatz eben jener, denn unsere Piraten greifen selbst im Nahkampf oft mal kurz zur Fernkampfwaffe um einen Schuss abzugeben. Was sehr zum Piratenfeeling beiträgt.

Vorsicht sei geboten, denn der Passiv-Equip Slot ist nicht nur für passive Gegenstände, sondern auch zur aktiven Nutzung von Heiltränken und dergleichen, was meiner Meinung nach eine sehr fragwürdige Desigentscheidung ist. Auch ist das Inventar sehr schlecht zu navigieren und man verliert sehr schnell die Übersicht welche denn nun die guten Waffen und welche gefundener Schrott sind.

Auch wird es bei größeren Mannschaften zum Teil lästig, jeden einzelnen TP (davon gibt es pro Pirat 2 pro Level, mit speziellem Equip oder Skills mehr) per Hand zu verteilen – aber das ist wohl Geschmackssache. Dennoch fehlt hier zumindest eine einstellbare Halbautomatik.

pixel piracy 100 prozent tier

100 Prozent Tier! Die Schildkröte!

Tiere als Zusatz zur Crew

Man kann zusätzlich Tiere einfangen, die dann unter einem eigenen Tab zur Crew gezählt werden. Hierbei gibt es je nach Gattung unterschiedliche Vorteile, die diese mit sich bringen. Manche erhöhen die Moral, manche legen Eier (Nein, nicht die Wildschweine) und manche sind einfach nur gute Kampfgefährten.

Ein Käfig kann als Fernkampfwaffe ausgerüstet werden und damit endlos oft eingesetzt werden um so viele Tiere wie möglich zu fangen. Schnapp’ sie dir alle!

Ein Schiff und eine Crew verwaltet sich nicht von allein

Eine gute Planung bei der Zusammenstellung der Crew ist extrem wichtig. Es muss nicht nur darauf geachtet werden, möglichst gute Kämpfer an Bord zu haben, sondern das Schiff muss auch repariert und gesäubert werden. Zudem brauchen wir Leute, die sich mit Kartenlesen auskennen, sich Wegpunkte merken können oder einfach nur viel Ahnung vom Segeln haben.

Nachdem man ein paar Mitglieder angesammelt hat, merkt man sehr schnell, dass Nahrung sehr teuer werden kann. Zum Glück können unsere Piraten nicht nur auf’s Boot kacken und Rum trinken, sondern auch Berufe ausführen indem man ihnen zum Beispiel das Angeln oder Kochen beibringt. Ein gutes Einkommen an rohen Fischen ist sehr wichtig um die Mannschaft später bei Laune zu halten. Das einzige was man dann immer noch kaufen muss, ist der Alkohol.

Was den Spaß allerdings ein wenig drückt sind hier wieder Bugs die dafür sorgen, dass manche Angler zwischendrin in einer Endlosschleife festhängen und gar keinen richtigen Angelversuch mehr starten oder einfach nie wieder die Schnur aus dem Wasser ziehen. Oftmals ist der Koch kurz vorm Verhungern und entschließt sich in letzter Sekunde erst einen rohen Fisch zuzubereiten, der schon seit gefühlten Stunden verfügbar ist.

Essen und Trinken muss, auch der frisch gefangene Fisch, per Hand aus dem Inventar im Schiff abgelegt werden, was nach einiger Zeit sehr lästig werden kann, wenn man einmal mehr als vier Angler hat und die Crew aus bis zu zehn Piraten besteht, muss der Fisch schon mal alle zwei Minuten nachgelegt werden. Also Inventar auf, Schiffsverwaltung öffnen, Nahrungstab öffnen und Fisch in Fässer füllen. Lästig.

Pixel Piracy piraten übersicht

Piraten Übersicht

Aufgabenverteilung… irgendwer muss ja die Kartoffeln schälen

Man kann seine Piraten in Gruppen unterteilen. Die vorgegeben Gruppen sind lediglich gut gemeinte Ratschläge aber keinesfalls wird man gezwungen dies auch so zu tun. So kann man sich zum Beispiel eine Gruppe rein für die Schiffsverwaltung zulegen, die eben für die Wartung und die Nahrung zuständig sind. Eine zweite Gruppe kümmert sich um die Bedienung der Kanonen und die dritte Gruppe greift die gegnerischen Schiffe frontal an.

Eine gute Aufteilung der Aufgaben ist extrem wichtig, da man sich für jeden Statpunkt zwischen nützlichen Skills wie Kartenlesen oder Segeln, oder Kampfstats wie Stärke und Ausdauer entscheiden muss, was sehr zur Spieltiefe von Pixel Piracy beiträgt und gut umgesetzt ist.

Auf ins Gefecht!

Obwohl so viele Möglichkeiten bestehen, jeden einzelnen Piraten individuell auszurüsten, zu belehren und Aufgaben zu verteilen, wird all dies im Kampf komplett über den Haufen geworfen, da die Meute nur in ganzen Gruppen zu steuern ist und diese Steuerung teils sehr grob reagiert, wenn überhaupt. So kann es schon mal vorkommen, dass einem einer der wichtigsten Leute aus der Crew stirbt, weil dieser sich nicht aus dem Kampf zurückziehen lässt und obwohl es hierfür eine Automatik gibt, dieser diese einfach ignoriert. Was sehr für frustration sorgen kann und falls dies zum Gameplay gehört, es nicht klar deutlich gemacht wird.

Der Schwierigkeitsgrad im Kampf ist durchweg gut, wenn auch nicht überragend. So kann man mit einem einzelnen Piraten als Kämpfer auskommen, der einfach so viel Erfahrung und Statpunkte sammelt, dass dieser selbst von größeren Mannschaften nicht mehr besiegt werden kann.

Das Feuergefecht auf höheren Stufen macht eine Menge Spaß und erfordert ein wenig Micromanagement um den Schaden auf die eigene Crew so niedrig wie möglich zu halten. Leider sind die Kanoniere oftmals ein wenig unklug und blocken sich gegenseitig beim Bemannen der Kanonen.

Schiffsbau und interagierbare Objekte

Wir können unser Schiff nicht nur mit einer stabilen Hülle ausstatten, sondern auch das Innenleben gestalten, so gibt es Pflanzen, die einfach nur die Moral anheben, Schleifsteine zum Verbessern der Waffen oder Trainingsschwerter, an denen die Piraten ein paar Bonus-XP sammeln können. Viele solcher Gegenstände finden sich in Pixel Piracy und tragen gut zum Gameplay und Schiffsatmospähre bei.

Pixel Piracy weltkarte

Pixel Piracy Weltkarte

Steuerung und Einführung in’s Gameplay

Die Steuerung lässt kurz gesagt an vielen Ecken zu wünschen übrig. Es kann fast alles mit der Maus gesteuert werden. bis auf die Kamerabewegung, welche mit WASD oder Pfeiltasten gesteuert werden kann. Nun gibt es Buttons am unteren Bildschirmrand, von denen sich einer per Tastatur steuern lässt, die anderen aber ausschließlich per Maus. Der eine muss geklickt werden, die anderen müssen gezogen werden um Befehle zu erteilen – alles in allem sehr inkonsistent und gerade am Anfang sehr frustrierend. Wenn man sich aber erst einmal daran gewöhnt hat, und damit klar kommt, dass die Steuerung der Crew manchmal mehr Zufall als sonst etwas ist, kann mit Pixel Piracy viel Spaß haben.

Die Menüs in Pixel Piracy sind sehr klobig gestaltet und die Übersicht über die Crew lässt zu wünschen übrig. So muss man für’s Angeln die Angel in die Waffenhand legen, aber natürlich muss man für’s Kämpfen wieder die Waffe wechseln – und selbst die “Kampf-Angel” kommt an eine ordentliche Waffe nicht ran. So muss man oftmals die Waffen hin und her tauschen, was durch die Unübersichtlichkeit des Inventars nicht gerade einfach gemacht wird. Gerade am Anfang vom Spiel wenn man sich nicht leisten kann, einzelne Piraten aus den Kämpfen raus zu halten.

Auch das Verkaufen von Waffen ist eigentlich mehr Last als Spaß. Waffen sind in der Regel 1 Goldstück wert beim Verkauf (was den Klick manchmal nicht wert ist), aber leider auch extrem schwer zu sehen, welche von den Waffen, die man denn verkaufen möchte, jetzt eine der guten ist die einige Level haben, oder eine der Waffen die man gerade auf dem Boden gefunden hat.

Die Option die überschüssigen Waffen einfach nicht zu verkaufen bereut man sehr schnell, da diese das Inventar noch schlimmer zumüllen und die Übersicht noch weiter verschlechtern. Darüberhinaus findet man innerhalb kürzester Zeit so viele Waffen, dass man darin baden könnte und diese sind alle gleichermaßen wertlos.

Pixel Piracy Start

Pixel Piracy Start

Pixel Piracy Tutorial und anderes schlechtes Design

Das Tutorial in Pixel Piracy ist fast nicht-existent. Auch wenn sich vieles von allein erklärt gibt es einige Ecken die sehr zu wünschen übrig lassen und nicht sehr einsteigerfreundlich sind. Es gibt einen Help-Button mit schlecht sortierten Anleitungen die grob erklärt sind und einem zwar etwas weiter helfen, aber generell zeigen, dass die Entwickler mehr oder weniger aufgegeben haben, die Game-Klarheit weiter zu verbessern.

Nun wir haben einen Piraten, der Kanonen bedienen darf, wir haben eine Kanone gekauft, die wir auf unser Schiff gestellt haben. Nun passiert erstmal gar nichts, bis wir merken, wir brauchen Munition. Nun haben wir diese gekauft und auch gemerkt, dass wir diese auf unser Schiff legen müssen, damit diese genutzt werden kann. Warum schießt er dann nicht? Nun, nach einigem rumtesten merkt man dann, dass man in höherleveligen Städten dann Trainingsbücher zur Kanonenbedienung findet (wenn man Glück hat, es ist Zufall ob diese verkauft werden!), aber die Kanonen schon ab Level 1 auf der Startinsel verkauft werden. Tolle Entscheidung!

Genauso bedarf es einiger Beobachtung, bis man herausfindet, dass die Kanonen nur während der Boarding-Vorbereitungszeit benutzt werden. Es kann schon einige Schlachten dauern, bis man merkt, warum die Kanonen plötzlich nicht mehr benutzt werden.

Sobald eines von den zwei sich gegenüberstehenden Schiffen eine Kanone an Bord hat, gleichgültig ob diese geladen ist oder nicht, wird eine “Vorbereitungszeit” verhängt in welcher nur geschossen, aber nicht geentert werden kann. Dies wird allerdings nicht grafisch durch mehr Distanz zwischen den beiden Schiffen dargestellt, sondern als Timer über der Buttonleiste.

Sprechblasen! Überall Sprechblasen!

Unsere Piraten reden gerne. Sie reden viel. Und sie spammen den gleichen Satz gern mal alle 2 Sekunden. Danke Entwicklerteam!
Zudem werden oftmals wichtige Tooltips durch andere Objekte verdeckt oder an Stellen gezeigt, wo diese einfach nicht lesbar sind.

 

Good

  • Sehr lustige Spielidee und für 2D gut umgesetzt
  • Spaßige Schiffskämpfe
  • Gut durchdachte Skills und Items, kein unnötiges Zeug
  • Schwierigkeitsgrad bleibt konstant
  • Schiffsbau ist toll, aber nicht zwingend nötig
  • Coole Piratenberufe für die Crew wie Angler, Smutje, Schatzsucher
  • Sound ist OK, Musik ist gut und passend

Bad

  • Game-Clarity und Tutorial nicht ausgereift
  • Micromanagement in Kämpfen unmöglich
  • Berufsausführung teils sehr buggy
  • Angeln im Waffenslot war eine schlechte Idee, ständiges Wechseln nervig
  • Levelverteilung kann eine Last werden bei größeren Crews
  • Der Start kann sehr langsam sein
  • Waffendrops sind massig aber wertlos
  • Schlechte Inventar- und Piratenübersicht
  • Hab ich die verdammten Sprechblasen erwähnt?

Summary

Pixel Piracy hat definitiv seine groben Kanten und an einigen Stellen merkt man die Unerfahrenheit der Entwickler in Sachen Game-Design, aber dennoch ist das Gameplay für ein 2D-Spiel gut umgesetzt und motiviert für mehrere Stunden. Ob das Spiel nun den vollen Preis von 13,99 € auf Steam wert ist, sei dahingestellt. Ich persönlich würde nicht empfehlen es ohne Sale zu kaufen. Zumindest bei dem aktuellen Stand der Entwicklung (v.1.06). Da das Spiel allerdings noch aktiv entwickelt wird, bleibt Hoffnung, dass noch einiges zum Positiven hin geändert wird.
7

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